Zuchtstätte von den Rotenbeker Vierpfötern

Natürlich kann man ohne Hunde leben, aber es lohnt sich nicht.

Heinz Rühmann

Zwingergeschichte

Durch meinen ersten Hund Charly, bin ich auf den Kromfohrländer gekommen. 

Charly war ein rauhaariger, schwarz-weißer Mischling aus dem Tierheim und ähnelte äußerlich einem Rauhaarkromi. Er war ein toller Begleiter und später auch Familienhund. Leider hatte er ein Hobby – er war jagdlich sehr ambitioniert.

In einem Hundebuch entdeckte ich den Rauhaarkromi und las – „wenig bis gar kein Jagdtrieb“. Es stand fest, das würde mein nächster Hund werden. 

Als Charly mit 12 Jahren anfing, leichte Alterserscheinungen zu bekommen, bemühte ich mich um einen Kromi. Ich nahm an Spaziergängen und Körungen teil. Ich knüpfte Kontakte zu verschiedenen Züchtern. Leider gestaltete sich die Suche nach dem Hund meiner Wahl doch ziemlich schwierig, zumal ich gerne eine Hündin haben wollte, um später selbst zu züchten.
Es wurden nur sehr wenige Welpen geboren oder es starben ganze Würfe. Es fielen nur Rüden oder die Hündinnen waren nicht zuchttauglich. 

Nachdem ich knappe drei Jahre am Ball geblieben war, hatte ich endlich die Zusage für eine rauhaarige Hündin aus einer „gesunden“ Linie. Ich war überglücklich! Leider sagte mir die Züchterin 10 Tage bevor ich die kleine Maus abholen sollte, dass in der Familie Epilepsie ausgebrochen war. Ich könnte mit der Hündin züchten, wenn sie mit drei Jahren noch nicht erkrankt sei, müsste nur bei der Rüdenauswahl vorsichtig sein.

Nun habe ich in meinem Bekanntenkreis mehrere Hunde mit stark ausgeprägter Epilepsie. Ein Rüde wurde immer aggressiv, während und nach seinen Anfällen, sodass das Frauchen schon nicht mehr in einem Raum mit ihm schlafen wollte.
Eine andere Familie hat eine Mischlingshündin, die im Urlaub in Dänemark ihren ersten Anfall hatte und so verstört war, dass sie sich mehrere Wochen nicht einfangen ließ. Die Hündin bekommt Medikamente, aber sobald sich etwas in ihrem Alltag ändert (z.B. Spaziergang rechts herum, anstatt üblicher Weise links herum) ist der Anfall vorprogrammiert. Dieser Hund kann nicht wirklich am Familienleben teilhaben. Und ich könnte da noch mehr berichten.

Nun gut, bei den Kromfohrländern handelt es sich meist um leichte, gut mit Medikamenten einstellbare Anfälle.

Trotzdem, mit meinem Zuchtgedanken konnte ich es nicht vereinbaren.

Ich sagte schweren Herzens die Hündin ab.

Diese drei Jahre waren sehr hart für mich, immer wieder die Freude auf die Welpen und immer wieder die Enttäuschung, dass für mich nicht der richtige Hund dabei war. Es sollte für mich wohl kein Kromi sein und züchten sollte ich auch nicht. Warum verstand ich nicht, aber ich fand mich damit ab. Mein Charly war mittlerweile alt geworden und die Zeit mit ihm nicht mehr endlos.

Im Internet fand ich einen sechs Monate alten Schnauzer-Pinscher-Mix, der mich sehr ansprach. Das Äußere rauhaarig und weiß-braun. Nach einigen Telefonaten und e-mails stand fest, ich würde die 600 Kilometer Richtung Frankfurt fahren, um ihn kennen zulernen. Es war Liebe auf den ersten Blick! 

Der kleine Rüde schenkte seinen Besitzern keine Aufmerksamkeit mehr, er hatte nur noch Augen für mich. Mit Charly verstand er sich auch und so war es beschlossen, er sollte bei uns einziehen.

Er begrüßte meinen Mann und meine zwei Jungs, als wäre er nur kurz weg gewesen, und fühlte sich sofort zuhause. Charly arbeitete Billy ein und zeigte ihm alles, was wichtig war (z.B. wie man sich beim Pferd verhält). Die beiden hatten noch drei Monate zusammen und verstanden sich prächtig. Es wurde in einem Körbchen geschlafen und sich gegenseitig die Ohren geschleckt. 

Dann ging es ganz schnell. Charly baute massiv ab und bekam einen Schlaganfall. Er irrte durch die Wohnung und war sichtlich verwirrt. Zusätzlich bekam er einen epileptischen Anfall, der über eine Stunde andauerte. Der gerufene Tierarzt riet dazu, ihn zu erlösen, und ich wusste, die Zeit war gekommen. 15 Jahre war er geworden und nie ernstlich krank gewesen.

Wir litten sehr und auch Billy konnte den Verlust nicht ertragen. Er jaulte, wenn er mal alleine sein musste und trauerte um seinen Kumpel. Oft stand er vor der Kudde in der sie gemeinsam gelegen hatten, starrte sie an, aber legte sich nicht hinein. 

Ich hatte die Zeit mit zwei Hunden sehr genossen, und machte mich auf die Suche nach einem passenden Gegenstück zu Billy. 

Ich wurde wieder im Internet fündig. Jule, eine einjährige Hündin, die es nicht gut gehabt hatte in ihrem bisherigen Leben. Rauhaarig, braunweiß und für jede Streicheleinheit dankbar. Sie lebte sich dank Billy‘s Hilfe sehr schnell bei uns ein und lernte, dass Menschen auch sehr nett sein können.

Billy hatte ich kastrieren lassen, da ich keinen ungewollten Nachwuchs wollte. Die beiden waren bezaubernd miteinander, schliefen in einem Körbchen und spielten stundenlang zusammen.

Da die Kromis mich immer noch interessierten, schaute ich öfter im Internet nach den Hunden, die fast mein geworden wären.

Eines Tages stieß ich auf die Seite der IGRK. Ich fand den Inhalt sehr interessant, denn hier wurde erstmals über den gesundheitlichen Hintergrund der Rasse berichtet. Die Idee des Einkreuzens fand ich sehr vernünftig und da auch Mischlinge gesucht wurden, um die Gesundheit und das Wesen zu verbessern, nahm ich Kontakt auf. 

Nachdem Jule die Augenuntersuchung auf Katarakt und auch die tierärztliche Untersuchung  samt großen Blutbild bestanden hatte, wurde sie von Frau Krahs-Dugger, einer langjährigen Züchterin, gesichtet. Jule überzeugte durch ihr freundliches Wesen und ihr sicheres Auftreten und sollte im darauf folgenden Jahr zur Zucht eingesetzt werden. Lux vom Stockener Berg, ein achtjähriger, freundlicher und gesunder reinrassiger Kromfohrländer Rüde, sollte der Vater von Jules Welpen werden. Jule schenkte uns am 30.3.2009 sieben putzmuntere Babys, zwei Mädels und 5 Buben.

Die Aufzucht der Kleinen machte mir sehr viel Spaß und wir unternahmen viele Ausflüge. Es ging in den Wald, ins Café, zur Schule meines Sohnes, wir unternahmen Fahrten mit dem Auto und setzten uns an eine viel befahrene Straße und beobachteten den Straßenverkehr.

Mein Züchterherz war entflammt!

Adele durfte bei uns bleiben. Sie ist ein toller Hund, der alles mitmacht, ob am Pferd oder in der Stadt, auch im größten Gewühl, ist sie total entspannt. Sie machte mit meinem damals 10 jährigen Sohn einen Hundetrickkursus in der Hundeschule, ist sehr gelehrig und aufmerksam. Mit ihrem Charme und ihrer Ausstrahlung wickelt sie jeden ein. Ein toller Hund eben!
Nun ist mein Adelchen bereits vierzehn einhalb Jahre alt, hört etwas schwer, ist aber ansonsten noch super gut drauf. Sie ist mein Herzenshund und ich liebe sie sehr. Unvorstellbar, das sie irgendwann nicht mehr bei uns sein könnte.

Mittlerweile ist Brixi vom Huvenhoop bei uns eingezogen, eine Enkeltochter von Julchen und eine absolute Ulknudel. Im privaten der lustigste Hund, aber bei fremden Personen kromitypisch distanziert.

Auch Juljetta, eine Ur-Ur-Enkeltochter von Julchen ist bei uns geblieben. Sie hat soviel Ähnlichkeit im Wesen mit Jule, ist sehr souverän und hat viele ihrer Eigenheiten übernommen.

Im Nachhinein denke ich, es sollte so sein, dass ich mit Jule den Genpool der Rasse erweitere, und dazu beitrage, dass diese tollen Hunde wieder gesünder und wesensfester werden.
Aber in der Zeit, in der ich auf einen Kromi wartete, verstand ich das natürlich nicht.

Nun haben wir schon einige Würfe aufgezogen und ich freue mich immer wieder, wenn ich einen „allerbesten Freund“ in die passende Familie abgebe.

Es ist einfach nur wundervoll mit diesen Hunden zu leben, wir sind uns sehr nah und verstehen uns ohne viele Worte.

Ich hoffe, bei uns werden noch viele freundliche Familienhunde aufwachsen und als allerbeste Freunde ausziehen.

Viele Grüße

Britta Bessey und ihr Rudel